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2. Auflage:

 

 

 

Il principe - Ein literarisches Kunstwerk


Machiavelli ist neu zu lesen, um ihn zu verstehen. Seine Novelle Das Leben Castruccio Castracanis aus Lucca 1998 übersetzt und mit einem Essay Zur Ästhetik der Macht herausgegeben von Dirk Hoeges vermittelt ein neues Bild des bis heute umstrittenen Autors, der seit fünfhundert Jahren immer wieder auf den Theoretiker der Macht und sein Verhältnis zur Realität reduziert wird. Ignoriert wird die literarisch-rhetorische Form seiner Werke wie die ästhetische Überhöhung seiner Figuren. Vor allem Il principe istdas Opfer eindimensionaler Betrachtungen durch Historiker, Soziologen und Politologen, die ihn zum Herold der frühen Neuzeit machen wollen, endlos Realitätsbezüge suchen, mit Begriffen wie Amoral, Dämonie und anderen Clichés dem Text zu Leibe rücken. Hoeges zeigt in Niccolò Machiavelli. Die Macht und der Schein, 2000 erschienen und bis heute diskutiert, dass Machiavelli nur anhand eines differenzierten Instrumentariums zu analysieren und zu verstehen ist. Der Begriff des Scheins, das als ob tritt an die Stelle jedes Essentialismus und seiner Fürstenmodelle. Die Textanalyse des Principe unter Einbeziehung des Gesamtwerks von Machiavelli entlarvt die Unzulänglichkeit aller Thesen und Theorien, ein eins-zu eins-Verhältnis von Text, Personen und diversen Wirklichkeiten herzustellen. Der Fürst existiert nicht resümiert das Buch vom Fürsten (Der Fürst/Il principe). Seine suggestive Rolle basiert auf dem ästhetischen Konstrukt, dem keine Wirklichkeit entspricht.
"Die erste vollständige Übersetzung der Gedichte Machiavellis und ihre Analyse zeigen: Sein Werk ist nur in der Zusammensetzung von Poesie und Prosa zu verstehen. Es enthält eine Systematik der literarischen Formen, die durch Beschränkung auf den Prinicipe verdeckt bleibt. Kompromittiert wird neuerlich der ideologische Kampfbegriff des Machiavellismus.

Machiavelli schärft über zahlreiche poetische Formen sein literarisches Profil: Epigramm, Strambotto, Stanza, Madrigal, Sonett, Kanzone, Canto, Capitolo, Serenade. Poetisiert werden Schlüsselbegriffe seiner Geschichts- und Machttheorie. Fortuna, die Gelegenheit, der Undank, der Ehrgeiz. Sichtbar wird ein Machiavelli, der von persönlicher und säkularer Angst vor der Verdorbenheit des Menschen geprägt, entschlossen ist, seine Würde zu behaupten. Die poetischen Intermezzi aus den Komödien Clizia und La Mandragola erweitern die Perspektive. Er erscheint facettenreich, tragisch und komisch, wie er sich selbst sah, Erotik, frühe und späte Liebe eingeschlossen. Die Poesie bestätigt: Zeit seines Lebens begriff er sich als Zögling der Freien Künste, von Sprache, Literatur und Musik. Das Buch bildet den dritten Teil der Machiavelli Trilogie des Verfassers.

> Dirk Hoeges




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